Contemporary Art Ruhr, The Innovative Art Fair

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Contemporary Art Ruhr auf Zeche Zollverein,
16. – 18. Oktober 2026

Contemporary Art Ruhr, die innovative Kunstmesse

Weltkulturerbe Zollverein
Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen (Halle A5, Halle A12)
Kokereiallee 71 (Kokerei C70)
Heinrich-Imig-Straße 11, 45141 Essen (Salzlager C88)

Offizielle Eröffnung
Freitag, 16. Oktober, 19:00 – 22:00 Uhr

Öffnungszeiten
Samstag, 17. Oktober, 11:00 – 19:00 Uhr
Sonntag, 18. Oktober, 11:00 – 19:00 Uhr

Veranstaltungsort:
www.zollverein.de
www.contemporaryartruhr.de

Service Informationen

 

C.A.R. Video Lounge [Neue Location! Salzlager C88]

INGEBORG FÜLEPP / HEIKO DAXL: Media in Motion
Video art between the 1990s and the 2000s präsentiert von Directors Lounge in direkter Nachbarschaft zur permanenten Installation „The Palace of Projects“ von Ilya und Emilia Kabakov.

Das Programm beleuchtet das Werk der Medienkünstler Ingeborg Fülepp und Heiko Daxl und verknüpft es eng mit den historischen Impulsen von Media in Motion. Die von ihnen zwischen 1990 und 2010 von Berlin und Zagreb aus geleitete Non-Profit-Organisation agierte als ein zentraler internationaler Motor der Videoszene. Einen historischen Meilenstein markiert dabei das 1993 in Zagreb initiierte Festival Media-Scape: Mitten in den geopolitischen Erschütterungen des kroatischen Unabhängigkeitskrieges schuf das Projekt im Mimara-Museum eine der ersten Plattformen, die gezielt die mediengeschichtlichen Umbrüche zwischen Osteuropa und dem Westen kontrastierte. Über ein Jahrzehnt hinweg brachte das Symposium hunderte Kunstschaffende zusammen, bevor es in den 2000er-Jahren ins Museum Lapidarium nach Novigrad weiterzog und schließlich mit dem Berliner Ableger Strictly Berlin den Kreis der Migration schloss.

Die gezeigten Videoarbeiten entstanden genau an jener Epochenwende, an der politische Systembrüche und digitale Innovationen ineinandergriffen. Der Fall der Berliner Mauer und das Ende des Kalten Krieges trafen zeitlich mit dem rasanten Aufstieg des World Web Web zusammen. In dieser Aufbruchsphase experimentierte das Duo mit frühen Programmiercodes, Hyperlinks, CD-ROMs und einer rohen Glitch-Ästhetik. Ihre Arbeiten erforschen die fließenden Grenzen zwischen Realität und Virtualität und hinterfragen das sich wandelnde Verhältnis von Mensch, Apparatur und Wahrnehmung. Es sind visuelle Reflexionen, die die formalen Potenziale neuer Medien nutzen, ohne deren Entfremdungsrisiken zu verschweigen; stets getragen von der Suche nach menschlicher Empathie und Weltbezug.

Die Platzierung im Salzlager von Zollverein generiert dabei eine produktive inhaltliche und mediale Reibung. Direkt neben dem monumentalen, schneckenförmig begehbaren „Palace of Projects von Ilya und Emilia Kabakov positioniert, treten die Videoarbeiten in einen formierenden Dialog mit dieser Utopien-Sammlung. Hier treffen zwei radikal unterschiedliche künstlerische Modi aufeinander: Während die Kabakovs in ihrer analogen, materialreichen „Totalinstallation“ 61 fiktive, oft tragikomische Projekte zur Selbstverbesserung des Menschen im (post-)sowjetischen Kontext archivieren, verlagern Fülepp und Daxl diese existenzielle Suche nach Orientierung ins ephemere, digitale Bewegtbild. Das leuchtende, wärmende Holzkonstrukt des Palasts und das flackernde Licht der Videoprojektionen bilden einen gemeinsamen Resonanzraum. Beide Positionen eint der Blick auf den Zustand des Individuums in Zeiten radikaler gesellschaftlicher Transformation – analoge Systembrüche und digitale Aufbruchsmythen kontextualisieren und durchdringen sich gegenseitig.

Media In Motion Program:

RGB  Berlin 1997
Video und sound Heiko Daxl, 3:30 min., Produktion Akademie der Künste.

RGB untersucht Phänomene rund um Rot, Grün und Blau, die Grundfarben des elektronischen Bildes. In diesen drei Farben manifestieren sich energetische Prozesse, der Übergang von einem Zustand in den anderen sowie Metamorphosen – sie bilden den Kreislauf des Entstehens und Vergehens, der Bewegung. Energetische Verschiebung natürlicher Kreisläufe in anderer Form.

Tuned Graphics – Deutschland 2005/06, DV Video 3:30 min.
Video: Heiko Daxl, Ingeborg Fülepp produziert von  media in motion – Berlin/Zagreb, Musik: Igor Kuljeri, Animierte grafische Darstellungen aus der Sammlung von Nikša Logo

Euriental Colorus – Berlin 2004, 4:30 min.
Video und sound: Heiko Daxl und Ingeborg Fülepp, Produktion: Media in Motion
Blick von einer Brücke über das „Goldene Horn“ in Istanbul im Kontrast zu Aufnahmen der zahlreichen Modegeschäfte im Basarviertel bilden eine Collage aus farbenfrohen Klängen und Bildern.

Caisse en Deux – 2003, 6:00 min
Video und sound: Heiko Daxl, Produktion: Media in Motion

Global Eyes – Deutschland,  2001 1:38 min.
Video: Heiko Daxl und Ingeborg Fülepp, Veränderte abstrakte Bilder in Bewegung, Media in Motion

Neither ( 1997)
Video: Heiko Daxl and Ingeborg Fülepp, Produktion: Media in Motion, Berlin 2007, 14:00 min. Music: Valerio Rapetti Pizzorno, Sprecher: Mona Mur (monamur.com) , Text: Samuel Beckett

Gesundheit und Zivilisation – Health and Civilization – Deutschland, 1999/2000, 20:00 min
Video: Heiko Daxl, Musik: Mona Mur (monamur.com)
Das Werk setzt sich mit der Verletzlichkeit des Menschen und der Zivilisation auseinander und stellt den heldenhaften Widerstand dem chaotischen Geflecht individueller Schicksale im Zuge gesellschaftlicher Umbrüche gegenüber.

Kopf – Stein – Zeichen – Stadt – Lied / Glava – Kamen – Znak – Grad – Pjesma – 12:00 min., 2000
Video: Heiko Daxl, Produkton: Media in Motion, Berlin, Musik: Georg Katzer, Gemälde: Zlatko Keser, Unterstützt durch die Akademie der Künste Berlin
Eine Verschmelzung aus bewegten Bildern, Musik und Grafiken, die das Leben, die Kommunikation und den Urbanismus widerspiegeln. Die Stadt wird zu einer Supermatrix, in der Zeichen zwischen den Menschen wirbeln und die Musik das Lied des Lebens ist, eingerahmt von der Festigkeit des Steins.

Le cinéma – Le Train – Deutschland, 2003, 14:00 min
Video: Heiko Daxl, Musik: Tobias PM Schneid, Sound Design: Markus Lehmann-Horn.

Erfahrung ist nichts anderes als eine Veränderung der Erinnerung. Filmvorspann und Eisenbahnaufnahmen bilden das Ausgangsmaterial. Durch Bearbeitung und Montage im Zusammenspiel mit der Musik regt das Werk zum Nachdenken, Träumen und Erinnern an, während die Vergänglichkeit sein ständiges Rätsel bleibt.

Changes, Songs and Inbetweens – Deutschland, 2004/2006, DV Video, 14:00 min.
Video: Heiko Daxl, Ingeborg Fülepp, Produktion: Media in Motion – Berlin/Zagreb, Musik: Tobias PM Schneid.

Nachtansichten der Stadt Zagreb. Nachts verändert sich alles – das Tempo, die Bewegung, die Menschen und die Orte…

Das gezeigte Programm wird durch zwei korrespondierende Videoarbeiten von Rainer Görß und André Werner erweitert, die den diskursiven Bogen um zwei prägnante Facetten bereichern.
Rainer Görß zeigt in „Deponiesinus (an die Arbeit)“ (Deutschland, 1991/2006, DV Video, 3:42 Min.) eine performative Intervention im nahegelegenen Bochum. Indem er zwei monumentale Kreise in eine Rasenfläche gräbt, diese zeichnerisch nachzieht und anschließend den Ausgangszustand akribisch wiederherstellt, reflektiert er die Sysiphusarbeit menschlicher Transformation und das Einschreiben in den analogen Raum.

André Werners Arbeit „Chalks“ (Deutschland, 2002, 7:24 Min.) schlägt wiederum die Brücke zur frühen Netzkultur. Das Video verwebt die Praxis des „War-Chalking“, bei dem Hacker ungesicherte Firmennetzwerke im öffentlichen Raum mit Kreidesymbolen markierten, mit abstrakten wissenschaftlichen Diagrammen und prähistorischen Höhlenzeichnungen zu einer vielschichtigen Archäologie der Kommunikation.

www.directorslounge.net

DL-Stand [Halle 12]

Mit Werken von Heiko Daxl, Fehlerking, Rainer Goerß, Julia Murakami, Visuman, André Werner

Directors Lounge versammelt sechs künstlerische Positionen zwischen historischer Referenz, politischer Dringlichkeit und der Visualisierung unsichtbarer Systeme. Gezeigt wird eine von dichter, architektonisch-struktureller Linienführung geprägte großformatige Zeichnung von Rainer Görß aus dem Jahr 1992. Diesem Werk stehen zeitgenössische Positionen gegenüber: André Werner verknüpft in seinem Fototriptychon aus der Serie „Judith singt (nach Doré)“ eine Ikone der europäischen Kunstgeschichte mit dem Freiheitskampf iranischer Frauen. Demgegenüber spüren weitere Positionen feinstofflichen Prozessen und digitalen Strukturen nach: Fehlerking ist mit einer großen Tuschezeichnung aus der Serie „Gedankenwolken“ vertreten, während Visuman neue Arbeiten aus seiner Serie „The bell rings“ zeigt, in denen Grafik und Malerei verschmelzen. Heiko Daxl untersucht in „It is Guaranteed!!!“ (2003) die Sprachästhetik des frühe Internets in neun Farbfeldern. Den atmosphärischen Rahmen schließt schließlich Julia Murakami mit einer neuen, von der Symbolik Edgar Allan Poes inspirierten Fotoarbeit, die die Schau um eine Facette surrealer Zwischenwelten ergänzt.